Employer Branding einmal philosophisch betrachtet – ein Gastbeitrag von Gilberto Bruletti

05.08.2019 | Alina Schneider |

Erst wenn der Schnee geschmolzen ist, sieht man die ganze Wahrheit.“

Die Urhe­ber­schaft dieses Sprich­worts wird den Men­schen der südi­tal­ienis­chen Prov­inz Apulien zugeschrieben. Anstelle der Wahrheit bedi­ent sich das Orig­i­nal jedoch eines üblen Kraftaus­drucks. Als meine Mut­ter, selb­st im benach­barten Kal­abrien wohlbe­hütet aufgewach­sen, mich in ziem­lich jun­gen Jahren erst­mals mit diesem Stück Lebenser­fahrung kon­fron­tierte, kon­nte ich mir darauf noch keinen recht­en Reim machen. Südi­tal­ien und Schneeschmelze, das passte irgend­wie nicht zusam­men.

Erst Jahre später ging mir ein Licht auf. Es ging um all jene, die sich in ihrer blühen­den Fan­tasie eine von schillern­den Far­ben geprägte Hochglanz­fas­sade aufge­baut hat­ten, die der Real­ität zumeist nicht stand­hielt. Jene, die lieber noch etwas hinzu­dichteten. Aber die Schneeschmelze kommt. Manch­mal früher, manch­mal später. Aber sie wird kom­men. So sich­er wie das Amen in der Kirche. Und dann ste­hen sie da: ent­tarnt, belächelt und mit dem Latein am Ende. Diese überzüchtete Form der Selb­st­darstel­lung ken­nt nur ein Ziel: die Sack­gasse. Das ent­fachte Chaos ist noch das kle­in­ste Prob­lem. Schlimm­sten­falls führt sie in die Iso­la­tion, ein­herge­hend mit dem Totalver­lust jed­er Glaub­würdigkeit und damit gesellschaftlich­er Akzep­tanz. Alles Dinge, die kein Men­sch braucht, um glück­lich zu sein.

 „Wofür ste­he ich?“ gilt es in aller Deut­lichkeit zu for­mulieren, aber vor allem mit Leben zu füllen. In ein­er Beziehung, aber natür­lich auch im Zusam­men­spiel von Unternehmen und Mitar­beit­ern. Im Wettstre­it um die geeignet­sten Mitar­beit­er sind es ger­ade diese Mehrw­erte, die den Unter­schied aus­machen. Immer mehr Unternehmen arbeit­en daran, ihre Attrak­tiv­ität zu steigern.

Willkommen im Employer Branding!

Oft gehört, unzäh­lige Male in Angriff genom­men und doch immer wieder missver­standen.

Zunächst ein­mal fängt Employ­er Brand­ing immer ganz oben an. Die Bil­dung ein­er Arbeit­erge­ber­marke ist somit immer Chef­sache mit dem Ziel, das Unternehmen in der Öffentlichkeit aber auch nach innen klar zu posi­tion­ieren, besten­falls eine Marke her­auszuar­beit­en, die bei Mitar­beit­ern sowie bei Kun­den und Liefer­an­ten gle­icher­maßen pos­i­tive Assozi­a­tio­nen weckt.

Der 2011 ver­stor­bene Steve Jobs etwa brachte seine Erfol­gs­formel in einem Satz auf den Punkt: „Liebe, was du tust.“ Die Liebe zu seinen Lebens­mit­teln rückt auch ein deutsch­er Einzel­han­del­sriese ins Zen­trum sein­er Botschaft. Ger­ade in unsicheren Zeit­en ist Liebe Bal­sam für die Seele. Wie viel Liebe aber wirk­lich dahin­ter­steckt, wird oft erst auf den zweit­en Blick deut­lich. Im täglichen Umgang näm­lich. Mit Vorge­set­zten, Kol­le­gen, Kun­den und Geschäftspart­nern. In dieser Inter­ak­tion gilt es allen Beteiligten mit Fair­ness und Wertschätzung auf Augen­höhe zu begeg­nen. Jed­er Kon­takt ist zugle­ich eine Chance, auf sich aufmerk­sam zu machen und das Image seines Unternehmens zu steigern.

Employ­er Brand­ing dient somit nicht auss­chließlich der Steigerung der Unternehmen­sat­trak­tiv­ität zwecks Rekru­tierung und Bindung von tal­en­tierten Mitar­beit­ern, son­dern muss als ein Teil­prozess aller am Unternehmenser­folg beteiligten Han­del­nden ver­standen wer­den. Diese Mehrdi­men­sion­al­ität gilt es im Employ­er Brand­ing nie aus den Augen zu ver­lieren. Employ­er Brand­ing ist somit stets als eine von mehreren Mar­ket­ing­maß­nah­men in die gesamt­strate­gis­che Zielset­zung eines Unternehmens einzugliedern.

Um Employ­er Brand­ing im Unternehmen einzuführen und erfol­gre­ich zu nutzen, müssen zunächst einige zen­trale Fra­gen ehrlich beant­wortet wer­den. Wer sind wir? Wo ste­hen wir? Wo wollen wir hin? Je kom­pro­miss­los­er diese aufgear­beit­et wer­den, je scho­nungslos­er die am Prozess Beteiligten mit sich ins Gericht gehen, desto klar­er wird das Bild aus­fall­en, aus dem sich zielführende Schlüsse ziehen lassen.

Ger­ade im dig­i­tal­en Bere­ich ste­hen Unternehmen zum Employ­er Brand­ing vielfältige Möglichkeit­en zur Ver­fü­gung. Der Kreativ­ität sind keine Gren­zen geset­zt. Beliebt sind Videos, die auf der unternehmen­seige­nen Home­page sowie in den Social-Media-Kanälen platziert sind – oft­mals mit enormer Reich­weite. Neben Videos eignen sich auch Bilder her­vor­ra­gend, um das Image als Arbeit­ge­ber zu verbessern. Eine wichtige Maß­nahme ist überdies die direk­te Kom­mu­nika­tion mit Mitar­beit­ern und Bewer­bern. Unternehmen soll­ten Lösun­gen parat haben, wie sie ihren Mitar­beit­ern noch mehr bieten kön­nen, um beispiel­sweise Fam­i­lie und Beruf bess­er vere­in­baren zu kön­nen.

Im Employ­er Brand­ing ist stets auch Nach­haltigkeit gefragt. Eine Schwalbe macht eben noch keinen Som­mer oder das One-Hit-Won­der noch keinen Super­star. Mit ein­ma­li­gen Kar­ri­ere­ta­gen lässt sich kaum jemand überzeu­gen. Es bedarf vielmehr ein­er nach­halti­gen Strate­gie, um das Employ­er Brand­ing langfristig erfol­gre­ich zu gestal­ten und eine starke Arbeit­ge­ber­marke zu kreieren. Auf diese Weise kann ein werthaltiges Arbeit­ge­ber­im­age geschaf­fen wer­den, das sich von Wet­tbe­wer­bern unter­schei­det und imstande ist, dem Unternehmen eine beson­dere Note zu ver­lei­hen.

Beim Employ­er Brand­ing geht es also aus­drück­lich nicht darum, den Tal­en­ten, nach denen sich Unternehmen sehen, keine fin­gierte Welt mit falschen Ver­sprechun­gen vorzu­gaukeln, son­dern die attrak­tiv­en, tat­säch­lichen gelebten Seit­en des Unternehmens nahezubrin­gen und zu zeigen, was das Unternehmen anziehend macht.

Und wer kön­nte dies glaub­würdi­ger darstellen, als die eige­nen zufriede­nen Mitar­beit­er? Nutzen Sie also Ihre Mitar­beit­er, binden Sie sie in Ihre Strate­gie ein und nutzen Sie diese pos­i­tive Energie und tra­gen Sie in all jene Kanäle, auf denen Sie Ihre poten­ziellen Kan­di­dat­en aus­gemacht haben. Durch internes Employ­er Brand­ing wer­den Angestellte zu treuen Wegge­fährten, es steigt die Loy­al­ität und damit auch die Zufrieden­heit und Moti­va­tion im Job. Zugle­ich wer­den die eige­nen Mitar­beit­er zu Marken­botschaftern und damit wichti­gen Säulen für ein erfol­gre­ich­es Employ­er Brand­ing. Angestellte wie auch Bewer­ber sind somit nicht nur Adres­sat­en, son­dern zugle­ich ein wesentlich­er Kanal des Employ­er Brand­ings.

Fazit

Aber denken Sie stets daran: Die Patentlö­sung zur Erlan­gung der per­fek­ten Arbeit­ge­ber­marke ist noch nicht gefun­den. Dafür sind Unternehmen­sphiloso­phien, Kom­mu­nika­tion­sstile und Mitar­beit­er zu unter­schiedlich. Auch den einen Leit­faden kann ich Ihnen nicht an die Hand geben. Wichtig ist, dass Sie es wollen und aus tief­ster Überzeu­gung ange­hen. Bewahren Sie Hal­tung. Am besten Sie fan­gen ein­fach an. Stellen Sie Fra­gen. Seien Sie immer ehrlich und authen­tisch. Gehen Sie respek­tvoll und wertschätzend miteinan­der um. Hören Sie genau zu. Lieben Sie, was Sie tun.

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