Mobilitätsbereitschaft von Bewerbern

22.08.2018 | Stefanie Rasel | Personal & Management

Auf dem aktuellen Arbeits­markt ver­lan­gen Unternehmen häu­fig Flex­i­bil­ität und Mobil­ität von ihren Bewer­bern. Doch was wün­schen sich Unternehmen genau, wenn sie nach diesen Eigen­schaften suchen? In den meis­ten Fällen ist damit die Bere­itschaft des Bewer­bers gemeint, für die neue Stelle die Stadt zu wech­seln. Unternehmen müssen dabei das Jobange­bot so ansprechend wie möglich gestal­ten, denn ein Umzug bringt für den Arbeit­nehmer viele Her­aus­forderun­gen mit sich.

Die Deutschen sind Umzugsmuffel

 Ein­er 2016 durchge­führten inter­na­tionalen Studie der Man­pow­er­Group Solu­tions zufolge schließen rund 38% der Deutschen aus, für einen Job die Stadt oder sog­ar das Land zu wech­seln. Damit gehören sie im inter­na­tionalen Ver­gle­ich zu den immo­bil­sten Arbeit­nehmern.
Die Umzugs­bere­itschaft ist stark altersab­hängig. So kommt für 77% der Men­schen unter 34 Jahren ein Wech­sel des Arbeit­sortes eher in Frage, bei Per­so­n­en von 50–65 Jahren sind es ger­ade ein­mal 45%.
Diese Ergeb­nisse spiegeln sich auch in den Zahlen des Hochschul-Infor­ma­tions-Sys­tems HIS eG wider. Demzu­folge ver­lassen 80% der Uni­ver­sitätsab­sol­ven­ten nach ihrem Abschluss ihren Hochschu­lort wieder.
Auch vari­iert die Mobil­itäts­bere­itschaft stark in den unter­schiedlichen Berufs­feldern. Hier sind die Unter­schiede sog­ar noch größer. Während beispiel­sweise in der IT-Branche rund 79% zu einem Umzug bere­it sind, sind es unter Behör­den­mi­tar­beit­ern nur 39%. Die Unter­schiede zwis­chen Frauen und Män­nern dage­gen sind ger­ing. Ca. 30% der Män­ner und 24% der Frauen kön­nen sich einen Umzug inner­halb Deutsch­lands vorstellen.

Pendeln statt umziehen

Wer einen Wech­sel des Wohnortes ablehnt und den­noch in ein­er anderen Stadt arbeit­en will, muss pen­deln. Obwohl die Mehrheit der Deutschen von der Pen­delei gen­ervt ist, sagen die Zahlen etwas anderes. Deutsch­lands pendler­re­ich­ste Stadt ist München. Über 350.000 Arbeit­nehmer kom­men mor­gens in die Stadt, um sie nach Feier­abend wieder zu ver­lassen. Doch woher kommt diese hohe Anzahl an Pendlern?
Durch die steigende Frauen­er­werb­squote sind Paare zunehmend unflex­i­bler, was die Wahl des Arbeit­sortes bet­rifft. Wenn nicht bei­de Part­ner das Glück haben, in der­sel­ben Stadt zu arbeit­en, muss zwangsläu­fig ein­er von bei­den pen­deln.
Auch ver­ant­wortlich für die hohe Pendlerquote ist die zunehmende Zahl befris­teter Arbeitsverträge. Für einen kurzen Zeitraum möchte nie­mand sein altes Leben zurück­lassen, nur um dann wom­öglich nach Ablauf des Ver­trages erneut umziehen zu müssen.

Der geringen Mobilitätsbereitschaft entgegenwirken

Die Gründe für die geringe Mobil­itäts­bere­itschaft der Deutschen sind vielfältig. Die größte Rolle spie­len dabei per­sön­liche Belange wie das Zurück­lassen von Fre­un­den, Fam­i­lie und Nach­barn. Nach einem Umzug kön­nen Kon­tak­te nicht mehr auf dieselbe Art und Weise gepflegt wer­den wie zuvor.
Hinzu kommt, dass die neue Umge­bung sowie die fremde Kul­tur oder Sprache der neuen Stadt zunächst gewöh­nungs­bedürftig sind. Ins­beson­dere intro­vertierte Men­schen kön­nen dann schnell in die soziale Iso­la­tion ver­fall­en.
Wichtig ist es dann von Seit­en des Arbeit­ge­bers, den neuen Angestell­ten in das Unternehmen zu inte­gri­eren und ihm das Gefühl zu geben, willkom­men zu sein. Gemein­same Aktiv­itäten fördern das Betrieb­skli­ma und helfen dem Arbeit­nehmer, sich schneller einzufind­en.
Ein weit­er­er Fak­tor, der viele vor einem Ortswech­sel zurückschreck­en lässt, ist der hohe finanzielle und organ­isatorische Aufwand. Kosten für ein Umzug­sun­ternehmen, ein Mak­ler für die Woh­nungssuche oder dop­pelte Miet­zahlun­gen kön­nen unter anderem auf den Arbeit­nehmer zukom­men.
Hier kann ihm das Unternehmen auf viele Weisen ent­ge­genkom­men, indem Teile der Umzugskosten über­nom­men wer­den, ein Mak­ler beauf­tragt oder auch Son­derurlaub für die Zeit des Umzugs genehmigt wird.
Für die Phase der Woh­nungssuche in der neuen Stadt oder auch während der Probezeit kann dem neuen Angestell­ten ein Hotelz­im­mer bezahlt oder ein Apart­ment zeitweise zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Eine Alter­na­tive für den Arbeit­nehmer ist das tägliche Pen­deln, wofür eine Über­nahme der Fahrtkosten oder ein Pen­delzuschlag ange­boten wer­den kön­nen.

Anforderungen an die neue Position und das neue Unternehmen

Darüber hin­aus sollte die neue Posi­tion so attrak­tiv wie möglich gestal­tet wer­den. Das ist beispiel­sweise durch einen unbe­fris­teten Arbeitsver­trag und ein ansprechen­des Gehalt möglich. Dem Bewer­ber soll deut­lich gemacht wer­den, dass er eine Bere­icherung sein wird und er der Fir­ma etwas wert ist. Auch ein inter­es­santes und abwech­slungsre­ich­es Auf­gabenge­bi­et spielt eine Rolle. Langeweile und man­gel­nde Her­aus­forderun­gen sind nicht nur ein häu­figer Kündi­gungs­grund, sie kön­nen auch dazu führen, eine Stelle gar nicht erst anzunehmen.
Gute Kar­ri­ereaus­sicht­en soll­ten eben­falls für den Bewer­ber ersichtlich sein. Ihm soll bewusst wer­den, dass die neue Posi­tion nicht nur für den Moment Vorteile mit sich bringt, son­dern auch für die Zukun­ft.
Nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind emo­tionale Aspek­te, wie das Ver­hält­nis zum Chef und zu Kol­le­gen und eine Unternehmen­skul­tur, die zu den Ein­stel­lun­gen, Werten und Vorstel­lun­gen des Bewer­bers passt.

Geben Sie Bewerbern Zeit

Manch­mal kann ein Jobange­bot noch so attrak­tiv sein, aber die per­sön­lichen Nachteile nicht über­bi­eten. Am Ende liegt es in der Hand des Bewer­bers, die Vor- und Nachteile abzuwä­gen und zu einem Entschluss zu kom­men. Eine Entschei­dung kann wom­öglich das ganze Leben auf den Kopf stellen. Geben Sie Ihrem Bewer­ber daher genug Zeit, eine Entschei­dung zu tre­f­fen.

Sie wollen mehr über dieses Thema erfahren?
Sprechen Sie uns direkt an unter +49 221 1390-474 oder schreiben Sie uns:


Jetzt Kontakt aufnehmen

Effizienteres Recruiting durch Mitarbeiterempfehlungen?!

Headhunting – was ist das eigentlich?!

Wie hat Ihnen dieser Blogbeitrag gefallen?


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Seien Sie der Erste, der unseren Beitrag bewertet.)
Loading...