Unsere Führungsreihe — Teil 4

02.10.2020 | Alina Schneider |

Wenn von Führung die Rede ist, gehen die Ansicht­en unter Führungskräften weit auseinan­der. Von Einigkeit ist keine Spur. Im Gegen­teil: Die Extreme existieren weit­er­hin. Die Hard­lin­er führen nach klas­sis­chem Muster. Mit har­ter Hand. Von oben nach unten. Ohne Kom­pro­misse. Ein Mod­ell, das allem Anschein nach jedoch an Attrak­tiv­ität und Zus­tim­mung ver­liert. Denn die Zeit­en ändern sich und mit ihr auch der Umgang mit Mitar­beit­ern. Es scheint, als ver­lange Führung den Führen­den zunehmend mehr ab.

Wir von pro­Job woll­ten es genauer wis­sen und haben uns deshalb auf eine ungewisse Reise begeben, um mehr über Führung und die Men­schen dahin­ter zu erfahren. Wie sie ver­standen und gelebt wird. Wie wird Führung im Jahr 2020 inter­pretiert? Macht Führen eigentlich Spaß? Wieso ist Führung ein Erfol­gs­fak­tor? Fra­gen über Fra­gen. Mit teil­weise verblüf­fend­en Antworten. In los­er Folge bit­ten wir Führungskräfte zum Gespräch und fra­gen nach. Es kön­nte span­nend wer­den. Begleit­en Sie uns ein­fach.

Copy­right Eduard Bopp

Folge 4: Stefan Ruthenbeck, Cheftrainer der U19 des 1. FC Köln

Herr Ruthen­beck, wann haben Sie Führung das erste Mal bewusst wahrgenom­men?

In meinem Beruf­sleben, vor mein­er Zeit als Fußball-Lehrer. Ich habe eine Pro­duk­tion­s­abteilung in der Farbindus­trie mit­geleit­et und habe da meine Erfahrun­gen gesam­melt. Ich hat­te Mitar­beit­er mit unter­schiedlichem kul­turellem und sozialem Back­ground, motivierte und weniger motivierte Kol­le­gen. Genau da wurde mir bewusst, dass Führung in den unter­schiedlich­sten Facetten benutzt wer­den muss, um gemein­same Ziele zu erre­ichen. Im Fußball hat­te ich hier meine Erfahrun­gen als Train­er in der höch­sten Ama­teurk­lasse. Ständig Spiel­er begeis­tern für eine Idee und trotz­dem eine gewisse Autorität an den Tag zu leg­en war meine tägliche Auf­gabe. Geld als Moti­va­tion oder Druck­mit­tel gab es hier nicht.

Welche Erin­nerun­gen kom­men da in Ihnen hoch?

In den Mitar­beit­erge­sprächen war auf­fäl­lig, dass das Geforderte mit dem tat­säch­lich Erbracht­en nicht immer im Ein­klang war. D.h. der Empfänger hat die gestell­ten Auf­gaben anders inter­pretiert wie gefordert. Ich bin mal als Train­er eingestellt wor­den, weil man sich jeman­den wün­schte der nah an der Mannschaft ist. Das Para­doxe war, dass dies der Grund war, warum man mich dann freigestellt hat­te.

Heute führen Sie selb­st. Wieso?

Führung ist ein wichtiger Bestandteil eines Chef­train­ers. Ich habe die Ver­ant­wor­tung für meine Spiel­er und meines Staffs. Schlussendlich wird der sportliche Erfolg an dem Chef­train­er gemessen.

Hat sich die Form der Führung verän­dert, ist sie wom­öglich schwieriger gewor­den?

Ja, die Men­schen wollen mitgenom­men wer­den. Sie wollen wis­sen warum wir diesen oder einen anderen Weg gehen. Genau deswe­gen ist Kom­mu­nika­tion, aus mein­er Per­spek­tive, ein wichtiger Bestandteil ein­er guten Führungskom­pe­tenz.

Welche Kernkom­pe­ten­zen erfordert Führung. Für Sie als Train­er und Ihre Spiel­er?

Überzeu­gende Kom­mu­nika­tion, Vor­bild sein, fair sein (Ehrlichkeit), Glaub­würdigkeit, kreativ Prob­leme lösen und keine Angst Entschei­dun­gen zu tre­f­fen.

Als Fußbal­llehrer sind Sie schon ein­er bun­ten Klien­tel begeg­net. Vom durch­schnit­tlich begabten Teenag­er bis zum hochbezahlten Fußball­profi war schon alles dabei. Welche Auswirkun­gen hat das auf Ihren Führungsstil?

Zuerst ein­mal ist mein Grund­satz immer authen­tisch zu sein. Ja, man arbeit­et mit unter­schiedlichen Charak­teren zusam­men und natür­lich benöti­gen die einzel­nen Spiel­er nicht immer die gle­iche Ansprache. Man muss sich immer wieder mit dem Einzel­nen beschäfti­gen.

Ist Führung gar ein sehr indi­vidu­eller Prozess. Für jeden maßgeschnei­dert?

Es gibt Spiel­er, die brauchen eine enge Begleitung und andere weniger. Der Prozess ist indi­vidu­ell, aber nicht jed­er braucht die gle­iche Aufmerk­samkeit.

In der öffentlichen Wahrnehmung herrscht die Mei­n­ung, dass Führung mit der Höhe des Kon­to­standes des jew­eils Geführten nicht leichter wird. Wie ist Ihre Erfahrung?

Geld kann natür­lich als Druck­mit­tel helfen. Wenn man als Train­er eine Mannschaft nicht für ein Ziel begeis­tern kann, dann hil­ft auch das Geld nicht. Spiel­er wollen eine Idee oder eine Vision vorgelebt bekom­men. Sie haben ein feines Gespür dafür, ob das nur heiße Luft ist oder dahin­ter ein Plan ste­ht.

Gibt es Tage, an denen Sie die Art Ihrer Führung selb­st hin­ter­fra­gen?

Ein ständi­ges Reflek­tieren gehört zu mein­er täglichen Arbeit. Wie war das Vier-Augen-Gespräch mit Spiel­er x? War meine Ansprache vor dem Spiel die Richtige? usw. Immer wieder neu zu bew­erten, ist für mich ein wichtiger Fak­tor, sich zu einem guten Train­er zu entwick­eln.

Der Tabel­len­stand spiegelt die Leis­tung wider. Ist gute Führung mess­bar?

Führung ist objek­tiv schw­er mess­bar, spiegelt sich jedoch in vie­len Sachver­hal­ten wider. Wie zufrieden wirkt die Mannschaft mit dem, was ich vor­lebe? Wie ist die Stim­mung auf und neben dem Platz? Wie ver­hal­ten sich die Spiel­er bei Erfol­gen und Mis­ser­fol­gen? Und auch der Tabel­len­platz kann, zumin­d­est langfristig betra­chtet, ein Resul­tat der Führung darstellen. Es gibt etliche Beispiele, bei denen qual­i­ta­tiv unter­legende Mannschaften tabel­lar­isch bess­er abschnei­den, weil durch gute Führung der Teamzusam­men­halt den Qual­itäten der einzel­nen Spiel­er über­wiegt.

Aktuell bere­it­en Sie die 17- bis 19-Jähri­gen des 1. FC Köln auf eine mögliche Pro­fi­lauf­bahn vor. Mit ein­er Rei­he Hochbe­gabter. Eine dankbare Ziel­gruppe oder anders gefragt: Macht das Führen leichter?

Ich denke schon!! Die Spiel­er haben erst­mal ein über­ge­ord­netes Ziel, sie wollen Profi-Fußballer wer­den. Diesem Ziel wird vieles unter­ge­ord­net und sel­tener hin­ter­fragt. Der Führungsstil ist hier auch ein ander­er: klare Regeln und trotz­dem beglei­t­end. Ver­trauen zu haben ist die Basis dafür sich als junger Spiel­er zu entwick­eln.

Führungsspiel­er sind so etwas wie der ver­längerte Arm des Train­ers. Was zeich­net diese Charak­tere aus?

Hohe Wertschätzung inner­halb der Mannschaft, er geht als Vor­bild voraus. Dieser Spiel­er kann einen mitreißen, er übern­immt Ver­ant­wor­tung in schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen. Seine Kör­per­sprache ist extrem pos­i­tiv. Er fordert in jed­er Druck­si­t­u­a­tion den Ball.

In der Aus­bil­dung dieser Nach­wuchsspiel­er hat die Entwick­lung und das Her­an­führen an höhere Auf­gaben ober­ste Pri­or­ität. Sportlich betra­chtet macht Indi­vid­u­al­ität den Unter­schied. Muss es da nicht eine führungs­freie Zone geben?

Nein. Auch Spiel­er, die den Unter­schied machen brauchen klare Regeln. Sie brauchen ein Gerüst, wo sie sich wohlfühlen, aber auch aus­to­ben kön­nen, ohne an Kreativ­ität zu ver­lieren.

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