Die Critical Incident Technique zur Erstellung eines Anforderungsprofils

Was bisher geschah: Da die Leuchtkraft von Rudolphs roter Nase allmählich nachlässt, möchte er nächstes Jahr in den Frühruhestand gehen. Der Weihnachtsmann legt großen Wert auf reibungslose Abläufe im Weihnachtsgeschäft und möchte daher bereits jetzt einen Nachfolger für Rudolph suchen. Im Sinne eines effizienten Wissensmanagements soll die Einarbeitung des neuen Zugtieres durch den aktuellen Positionsinhaber erfolgen. Zudem hat der Weihnachtsmann gehört, dass die Anforderungen von Bewerbern an potenzielle Arbeitgeber gestiegen sind. Aus diesem Grund möchte der Weihnachtsmann die Personalsuche nicht unüberlegt angehen und hat sich bereits Gedanken zu seinen gewährten Arbeitgeberbenefits gemacht. Nun möchte er sich der Anforderungsanalyse für die Position widmen.

In einem Interview mit Rudolph erhebt der Weihnachtsmann anhand der Critical Incident Technique die Herausforderungen der Position sowie die notwendigen Anforderungen an den zukünftigen Positionsinhaber. Sein Ziel ist es, ein Stellenprofil sowie ein zugehöriges Anforderungsprofil zu erstellen, anhand dessen er den Kandidaten auswählen kann, der die Herausforderungen der Stelle voraussichtlich am besten bewältigen können wird.

Der Weihnachtsmann weiß nämlich, dass es seit 2002 eine DIN-Norm für die Eignungsbeurteilung gibt, die DIN 33430. Diese ist das Resultat einer Initiative des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und wurde im Ausschuss des Deutschen Instituts für Normung veröffentlicht.

Der Leitsatz der DIN 33430 zum Anforderungsbezug besagt: „Eine Arbeits- und Anforderungsanalyse (…) sollte die Basis einer Eignungsbeurteilung sein. Die Anforderungsanalyse sollte die Merkmale eines Arbeitsplatzes, einer Ausbildung bzw. eines Studiums, eines Berufs oder einer beruflichen Tätigkeit ermitteln, die für den beruflichen Erfolg und die berufliche Zufriedenheit bedeutsam sind. Aus der Anforderungsanalyse sollten diejenigen Eignungsmerkmale (…) mitsamt ihren Ausprägungsgraden abgeleitet werden, die zur Erfüllung der Anforderungen nötig sind. (…)“ (DIN 33430, S. 12).

Die Critical Incident Technik (CIT), auch als Methode der kritischen Ereignisse bezeichnet, ist ein im Jahr 1954 von J. G. Flanagan entwickeltes teilstandardisiertes Verfahren zur Erhebung von erfolgskritischen Handlungsweisen. Ziel ist es, die so genannten „Critical Incidents“, also erfolgskritische Situationen und das darin gezeigte Verhalten, so konkret und umfassend zu beschreiben, dass daraus induktiv diejenigen Anforderungen an die Person abgeleitet werden können, die zur erfolgreichen Bewältigung der Situationen notwendig sind.

Fragen, die der Weihnachtsmann in diesem Zusammenhang an Rudolph stellt, sind z.B.:

• Wie kam es zu der Situation, dass er einmal von der richtigen Flugroute abgekommen ist?

• Wann und wie hat er bemerkt, dass er in die falsche Richtung steuert?

• Wie hat sich Rudolph in der Situation konkret verhalten, und wie ist er vorgegangen, um den
Zeitplan doch noch einzuhalten und kein Haus zu vergessen?

• Welche Folgen hatte das Verhalten von Rudolph auf die konkrete Flug- und Arbeitssituation?

• Welche Bedeutung hatte die erfolgreiche Problemlösung für das Weihnachtsgeschäft?

• Wie hätte sich Rudolph auf keinen Fall verhalten dürfen?

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Junior Beraterin; Betriebspädagogin und Soziologin; Master of Arts; seit 2017 bei proJob; Schwerpunkte in den Bereichen: Recruiting, Karriereberatung, Auswahl- und Entwicklungsverfahren

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