Mobilitätsbereitschaft von Bewerbern

Auf dem aktu­el­len Arbeits­markt ver­lan­gen Unter­neh­men häu­fig Fle­xi­bi­li­tät und Mobi­li­tät von ihren Bewer­bern. Doch was wün­schen sich Unter­neh­men genau, wenn sie nach die­sen Eigen­schaf­ten suchen? In den meis­ten Fäl­len ist damit die Bereit­schaft des Bewer­bers gemeint, für die neue Stel­le die Stadt zu wech­seln. Unter­neh­men müs­sen dabei das Job­an­ge­bot so anspre­chend wie mög­lich gestal­ten, denn ein Umzug bringt für den Arbeit­neh­mer vie­le Her­aus­for­de­run­gen mit sich.

Die Deutschen sind Umzugsmuffel

 Einer 2016 durch­ge­führ­ten inter­na­tio­na­len Stu­die der Man­powerGroup Solu­ti­ons zufol­ge schlie­ßen rund 38% der Deut­schen aus, für einen Job die Stadt oder sogar das Land zu wech­seln. Damit gehö­ren sie im inter­na­tio­na­len Ver­gleich zu den immo­bils­ten Arbeit­neh­mern.

Die Umzugs­be­reit­schaft ist stark alters­ab­hän­gig. So kommt für 77% der Men­schen unter 34 Jah­ren ein Wech­sel des Arbeits­or­tes eher in Fra­ge, bei Per­so­nen von 50–65 Jah­ren sind es gera­de ein­mal 45%.

Die­se Ergeb­nis­se spie­geln sich auch in den Zah­len des Hoch­schul-Infor­ma­ti­ons-Sys­tems HIS eG wider. Dem­zu­fol­ge ver­las­sen 80% der Uni­ver­si­täts­ab­sol­ven­ten nach ihrem Abschluss ihren Hoch­schul­ort wie­der.

Auch vari­iert die Mobi­li­täts­be­reit­schaft stark in den unter­schied­li­chen Berufs­fel­dern. Hier sind die Unter­schie­de sogar noch grö­ßer. Wäh­rend bei­spiels­wei­se in der IT-Bran­che rund 79% zu einem Umzug bereit sind, sind es unter Behör­den­mit­ar­bei­tern nur 39%. Die Unter­schie­de zwi­schen Frau­en und Män­nern dage­gen sind gering. Ca. 30% der Män­ner und 24% der Frau­en kön­nen sich einen Umzug inner­halb Deutsch­lands vor­stel­len.

Pendeln statt umziehen

Wer einen Wech­sel des Wohn­or­tes ablehnt und den­noch in einer ande­ren Stadt arbei­ten will, muss pen­deln. Obwohl die Mehr­heit der Deut­schen von der Pen­de­lei genervt ist, sagen die Zah­len etwas ande­res. Deutsch­lands pend­ler­reichs­te Stadt ist Mün­chen. Über 350.000 Arbeit­neh­mer kom­men mor­gens in die Stadt, um sie nach Fei­er­abend wie­der zu ver­las­sen. Doch woher kommt die­se hohe Anzahl an Pend­lern?

Durch die stei­gen­de Frau­en­er­werbs­quo­te sind Paa­re zuneh­mend unfle­xi­bler, was die Wahl des Arbeits­or­tes betrifft. Wenn nicht bei­de Part­ner das Glück haben, in der­sel­ben Stadt zu arbei­ten, muss zwangs­läu­fig einer von bei­den pen­deln.

Auch ver­ant­wort­lich für die hohe Pend­ler­quo­te ist die zuneh­men­de Zahl befris­te­ter Arbeits­ver­trä­ge. Für einen kur­zen Zeit­raum möch­te nie­mand sein altes Leben zurück­las­sen, nur um dann womög­lich nach Ablauf des Ver­tra­ges erneut umzie­hen zu müs­sen.

Der geringen Mobilitätsbereitschaft entgegenwirken

Die Grün­de für die gerin­ge Mobi­li­täts­be­reit­schaft der Deut­schen sind viel­fäl­tig. Die größ­te Rol­le spie­len dabei per­sön­li­che Belan­ge wie das Zurück­las­sen von Freun­den, Fami­lie und Nach­barn. Nach einem Umzug kön­nen Kon­tak­te nicht mehr auf die­sel­be Art und Wei­se gepflegt wer­den wie zuvor.

Hin­zu kommt, dass die neue Umge­bung sowie die frem­de Kul­tur oder Spra­che der neu­en Stadt zunächst gewöh­nungs­be­dürf­tig sind. Ins­be­son­de­re intro­ver­tier­te Men­schen kön­nen dann schnell in die sozia­le Iso­la­ti­on ver­fal­len.

Wich­tig ist es dann von Sei­ten des Arbeit­ge­bers, den neu­en Ange­stell­ten in das Unter­neh­men zu inte­grie­ren und ihm das Gefühl zu geben, will­kom­men zu sein. Gemein­sa­me Akti­vi­tä­ten för­dern das Betriebs­kli­ma und hel­fen dem Arbeit­neh­mer, sich schnel­ler ein­zu­fin­den.

Ein wei­te­rer Fak­tor, der vie­le vor einem Orts­wech­sel zurück­schre­cken lässt, ist der hohe finan­zi­el­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Auf­wand. Kos­ten für ein Umzugs­un­ter­neh­men, ein Mak­ler für die Woh­nungs­su­che oder dop­pel­te Miet­zah­lun­gen kön­nen unter ande­rem auf den Arbeit­neh­mer zukom­men.

Hier kann ihm das Unter­neh­men auf vie­le Wei­sen ent­ge­gen­kom­men, indem Tei­le der Umzugs­kos­ten über­nom­men wer­den, ein Mak­ler beauf­tragt oder auch Son­der­ur­laub für die Zeit des Umzugs geneh­migt wird.

Für die Pha­se der Woh­nungs­su­che in der neu­en Stadt oder auch wäh­rend der Pro­be­zeit kann dem neu­en Ange­stell­ten ein Hotel­zim­mer bezahlt oder ein Apart­ment zeit­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Eine Alter­na­ti­ve für den Arbeit­neh­mer ist das täg­li­che Pen­deln, wofür eine Über­nah­me der Fahrt­kos­ten oder ein Pen­del­zu­schlag ange­bo­ten wer­den kön­nen.

Anforderungen an die neue Position und das neue Unternehmen

Dar­über hin­aus soll­te die neue Posi­ti­on so attrak­tiv wie mög­lich gestal­tet wer­den. Das ist bei­spiels­wei­se durch einen unbe­fris­te­ten Arbeits­ver­trag und ein anspre­chen­des Gehalt mög­lich. Dem Bewer­ber soll deut­lich gemacht wer­den, dass er eine Berei­che­rung sein wird und er der Fir­ma etwas wert ist. Auch ein inter­es­san­tes und abwechs­lungs­rei­ches Auf­ga­ben­ge­biet spielt eine Rol­le. Lan­ge­wei­le und man­geln­de Her­aus­for­de­run­gen sind nicht nur ein häu­fi­ger Kün­di­gungs­grund, sie kön­nen auch dazu füh­ren, eine Stel­le gar nicht erst anzu­neh­men.

Gute Kar­rie­re­aus­sich­ten soll­ten eben­falls für den Bewer­ber ersicht­lich sein. Ihm soll bewusst wer­den, dass die neue Posi­ti­on nicht nur für den Moment Vor­tei­le mit sich bringt, son­dern auch für die Zukunft.

Nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind emo­tio­na­le Aspek­te, wie das Ver­hält­nis zum Chef und zu Kol­le­gen und eine Unter­neh­mens­kul­tur, die zu den Ein­stel­lun­gen, Wer­ten und Vor­stel­lun­gen des Bewer­bers passt.

Geben Sie Bewerbern Zeit

Manch­mal kann ein Job­an­ge­bot noch so attrak­tiv sein, aber die per­sön­li­chen Nach­tei­le nicht über­bie­ten. Am Ende liegt es in der Hand des Bewer­bers, die Vor- und Nach­tei­le abzu­wä­gen und zu einem Ent­schluss zu kom­men. Eine Ent­schei­dung kann womög­lich das gan­ze Leben auf den Kopf stel­len. Geben Sie Ihrem Bewer­ber daher genug Zeit, eine Ent­schei­dung zu tref­fen.

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