Unsere Führungsreihe – Teil 5

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Wenn von Führung die Rede ist, gehen die Ansichten unter Führungskräften weit auseinander. Von Einigkeit ist keine Spur. Im Gegenteil: Die Extreme existieren weiterhin. Die Hardliner führen nach klassischem Muster. Mit harter Hand. Von oben nach unten. Ohne Kompromisse. Ein Modell, das allem Anschein nach jedoch an Attraktivität und Zustimmung verliert. Denn die Zeiten ändern sich und mit ihr auch der Umgang mit Mitarbeitern. Es scheint, als verlange Führung den Führenden zunehmend mehr ab.

Wir von proJob wollten es genauer wissen und haben uns deshalb auf eine ungewisse Reise begeben, um mehr über Führung und die Menschen dahinter zu erfahren. Wie sie verstanden und gelebt wird. Wie wird Führung im Jahr 2020 interpretiert? Macht Führen eigentlich Spaß? Wieso ist Führung ein Erfolgsfaktor? Fragen über Fragen. Mit teilweise verblüffenden Antworten. In loser Folge bitten wir Führungskräfte zum Gespräch und fragen nach. Es könnte spannend werden. Begleiten Sie uns einfach.

Folge 5 – Führung im musikalischen Kontext – Henning Krautmacher, Frontmann der „Höhner“

Henning Krautmacher (63) ist Musiker und Frontmann der Kölner Band Höhner, Gelegenheits-Moderator und -Schauspieler. Der Heilpädagoge arbeitete vor seinem musikalischen Durchbruch als Schauwerbegestalter und Lokaljournalist. Mitte der 1980er Jahre kam er zu den Höhnern. Der gebürtige Leverkusener ist regional sehr verbunden und engagiert sich auf vielfältige Weise: Durch Lesungen, Unterstützung der Obdachlosenhilfe sowie als Botschafter der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, um nur einige zu nennen. Krautmacher ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt in Pulheim-Stommeln. Krautmacher ist passionierter Läufer.

Was bedeutet für dich Führung im Allgemeinen, Henning?

Henning Krautmacher: Richtungsvorgabe. Das gilt für mich auch in mechanischer oder in physikalischer Hinsicht: Straßen und Wege bauen. Um ein zuvor gestecktes, gemeinsames Ziel zu erreichen, bedarf es der Festlegung eines Weges, der eben zum Ziel führt. Dabei können die Wege recht unterschiedlich ausgestaltet sein. Hier beginnt die Arbeit der Führungskraft. Nämlich, den zunächst einmal subjektiv gewählten Weg zu finden, zu vermitteln und dann gemeinsam zu beschreiten.

Welche Aspekte sind aus deiner Sicht beim Thema Führung ganz besonders entscheidend?

Henning Krautmacher: Da fallen mir zahlreiche Begriffe ein: Selbstbewusstsein, Zielsicherheit, Kompetenz, Teamgeist, Demokratieverständnis. Aber auch Durchsetzungsvermögen, Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und Intuition.

Wie funktioniert Führung bei den Höhnern?

Henning Krautmacher: Durch Akzeptanz. Eine Band wie die Höhner, die seit fast 50 Jahren existiert, konnte dies nur gewährleisten, weil die einzelnen Bandmitglieder sich auf die unterschiedlichen Begabungen, Talente und Stärken des jeweils Zuständigen auf dessen Führungsgebiet verlassen konnten.

Würdest du dich als Führungskraft bezeichnen; und übernimmt der Frontmann unbedingt auch immer die Führungsrolle in einer Band?

Henning Krautmacher: Gerne bemühe ich in solchen Fragen das Bild vom Soziogramm einer Gruppe. Damit ist im weitesten Sinne gemeint, die Interessengemeinschaft von mindestens fünf Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Nach meiner persönlichen Erfahrung wird man in solch einer Gruppe, also auch im Falle einer Musikband wie die Höhner, immer die unterschiedlichen so genannten Arche-Typen finden: den Pragmatiker, den Theoretiker, den Macher, den Mitläufer, den Intro- und den Extrovertierten. Den, der fast selbstverständlich Verantwortung übernimmt und den Träumer. Ich unterscheide da gerne – der Einfachheit halber – auch zwischen lauten und leisen Menschen. Aber! Vorsicht! Nicht alle lauten Menschen sind auch gleichzeitig eine qualifizierte Führungskraft. Will sagen: ein Frontmann hat nicht automatisch die Führungsrolle in einer Band. Außerdem glaube ich, dass man sich eine Führungsposition erst einmal erarbeiten muss. Überzeugungsarbeit leisten. Ich glaube, dass in bestimmten Bereichen geschafft zu haben.

Wie geht die Band mit Konflikten um; welche Situationen sind für die Balance in einer Band besonders schwierig?

Henning Krautmacher: Im besten Fall sollte eine Band ein ausgeprägtes und ausgeglichenes Demokratieverständnis haben. Eine gewisse Streitkultur. Durch sachliche Diskussion lässt sich, meiner Meinung nach, jeder Konflikt lösen. Kreativlosigkeit und Misserfolg sind – so glaube ich – die gefährlichsten Situationen, die die Balance in einer Band gefährden können. In einem solchen Fall ist es wohl wichtig, kritikfähig zu sein – auch Selbstkritik-fähig.

Was passiert bei Wechseln innerhalb der Band; auf was achtest du, achtet die Gruppe und wie stellt sich der Entscheidungsprozess dar?

Henning Krautmacher: Personalwechsel sind in einer so genannten eingefleischten Truppe niemals einfach. Wenn es dazu kommt, dann sind alle Beteiligten jederzeit gefordert, behutsam miteinander umzugehen. Zeit zu gewähren, um sich aufeinander zuzubewegen. Stärken zu fördern und Schwächen gemeinsam auszumerzen. Grundsätzlich gilt jedoch immer die berühmte Lebensweisheit: die Chemie muss stimmen.

Was macht den Unterschied einer über Jahrzehnte hinweg richtig erfolgreichen Band – über das Musikalische hinaus – im Gegensatz zu einer lediglich guten Band aus?

Henning Krautmacher: Ich glaube, das liegt allein an der Philosophie der Einzelnen. Der Eine sagt vielleicht: Es reicht mir, in einer guten Band zu spielen. Meine persönliche Philosophie war immer: Es muss doch noch mehr als Alles geben.

Gab es schon einmal eine richtige Krise und wie ist die Band da rausgekommen?

Henning Krautmacher: Viele Jahre nachdem ich meinen Vorgänger Peter Horn bei den Höhnern abgelöst hatte, erfuhr ich, dass damals einige in der Band der Meinung waren: So, das war’s jetzt! Der Frontmann ist wahrscheinlich nicht zu ersetzen.“ Der Weg aus dieser Angst war pures Glück – nämlich die Tatsache, dass mit meinem Einstieg in die Band auch ein paar neue Hits einhergingen, die wir gemeinsam ersonnen haben.

Lässt man sich bei solchen Situationen von Dritten, z.B. einem Coach helfen?

Henning Krautmacher: Sich coachen zu lassen, ist keine Frage von Misserfolg. Die Bereitschaft, einen Fachmann oder Fachfrau zu Rate zu ziehen, ist und war bei uns schon immer gang und gäbe.

Gibt es aus deiner Sicht etwas, das Führungskräfte in Unternehmen oder anderen Organisationen an Erfahrungen aus dem Bandleben übernehmen könnten?

Krautmacher: Ja! Demut. Eines der Grundgesetze in der Musikbranche lautet: Ein Hit ist die Ausnahme. Der Flop ist die Regel. Man sollte von seinem Team den Top-Hit vielleicht nicht einfach einfordern, sondern nur zuversichtlich erwarten. Und wenn er dann tatsächlich eintritt, sollte man ihn gebührend feiern – gemeinsam.

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