Unsere Führungsreihe — Teil 2

15.04.2020 | Alina Schneider |

Wie wird Führung in unter­schiedlichen Kon­tex­ten ver­standen und gelebt?

Wenn von Führung die Rede ist, begeg­nen uns in unseren unter­schiedlichen Beset­zungs- und Beratungs­man­dat­en die unter­schiedlich­sten Führungsver­ständ­nisse und ‑real­itäten.

Erwartun­gen bzw. Ansprüche und Wirk­lichkeit gehen bei den Führungskräften gele­gentlich weit auseinan­der. „Gute Führung“ wird allerd­ings nach Ein­schätzung aller Beteiligten ger­ade in diesen bewegten Zeit­en immer wichtiger und ste­ht auch in unser­er Wahrnehmung bei den Mitar­beit­ern immer mehr im Fokus. Es scheint, als ver­lange Führung den Führen­den zunehmend mehr ab.

Wir von pro­Job woll­ten es genauer wis­sen und haben uns deshalb auf eine ungewisse Reise begeben, um mehr über Führung und die Men­schen dahin­ter zu erfahren. Auch in Kon­tex­ten, die zunächst nicht unbe­d­ingt mit Führung in Verbindung gebracht wer­den. Was genau macht Führung aus? Kann Führen auch Spaß machen? Wieso ist Führung ein Erfol­gs­fak­tor? Fra­gen über Fra­gen. Mit teil­weise verblüf­fend­en Antworten. In los­er Folge bit­ten wir Führungskräfte oder Experten zum The­ma Führung aus unserem Net­zw­erk zum Gespräch und fra­gen nach. Es kön­nte span­nend wer­den. Begleit­en Sie uns ein­fach.

Folge 2: Götz Peter Ander, Industrie, MSSC AHLE GmbH, Lindlar

Die zweite Folge unser­er Führungsserie ent­stand den aktuellen Umstän­den entsprechend dig­i­tal, per „E‑Mail-Inter­view“. Die aktuelle Sit­u­a­tion war auch The­menge­ber dieser Folge, in der wir auf die Frage „Führung in der Krise“ blick­en. Unsere Fra­gen hat uns Herr Götz Peter Ander, der Geschäfts­führer von MSSC AHLE, beant­wortet.

Seit Grün­dung des Unternehmens im Jahre 1904 beruht der Erfolg von MSSC AHLE auf sein­er hohen Flex­i­bil­ität. 114 Jahre war das ober­ber­gis­che Tra­di­tion­sun­ternehmen davon in Fam­i­lien­hand, ehe die Mit­subishi Steel Man­u­fac­tur­ing AG die Hoheit über­nahm. Die Führung in Deutsch­land obliegt weit­er­hin Götz Peter Ander. Die durch das SARS-CoV-2-Virus aus­gelöste, wel­tumspan­nende Krise in einem noch nicht gekan­nten Aus­maß ist auch für ihn Neu­land. Man wird den Ein­druck nicht los, dass trotz fortschre­i­t­en­der Tech­nol­o­gisierung die Prob­leme der Men­schheit eher größer wer­den.

Mit Ihren weltweit nachge­fragten Fed­ern liefern Sie Lösun­gen für Fahrzeuge im Gelände, auf der Straße und Schiene. Sie gehören zu den Hid­den Cham­pi­ons. Inno­va­tio­nen gehören zu Ihrem Tages­geschäft. „Wir machen’s ein­fach“ lautet Ihr Lösungsansatz. Klingt sim­pel. Wie meis­tern Sie die aktuelle Krise?

Götz Peter Ander: Auch dabei hil­ft unser Lösungsansatz. Wir sind als immer noch kleines Unternehmen auch weit­er­hin in der Lage, flex­i­bel auf verän­derte Rah­menbe­din­gun­gen zu reagieren. Und diese verän­dern sich lei­der im Moment täglich.

Pri­or­itäten und Gewich­tung haben sich in den ver­gan­genen Tagen sich­er gravierend ver­schoben. Inwieweit hat sich in diesem Aus­nah­mezu­s­tand auch Ihr Tagesablauf verän­dert?

Götz Peter Ander: Total. Wir hal­ten alle Meet­ings nur noch per Web­meet­ing ab – in unser­er Ver­wal­tung gibt es nur noch eine Not Vor-Ort-Beset­zung – alle anderen arbeit­en von Zuhause. Dass in dieser Sit­u­a­tion mehr oder weniger nur das Sys­tem aufrechter­hal­ten wer­den kann, ist dabei logisch für mich und das bes­timmt natür­lich auch den Ablauf. Aber ich sehe es auch als Chance, sich mit anderen Arten des Arbeit­ens auseinan­der zu set­zen. Ich glaube, der Dig­i­tal­isierung wird diese Sit­u­a­tion einen Schub geben.

Sie ste­hen uns trotz dieser bish­er noch nie dagewe­se­nen und damit beispiel­losen Sit­u­a­tion für dieses Inter­view zur Ver­fü­gung. Was ist Ihre Moti­va­tion?

Götz Peter Ander: Sie haben mich sehr nett gefragt und ich denke, es kann nicht schaden, auch in ein­er solchen Sit­u­a­tion ein­mal aufzuschreiben was so passiert – und wenn man dann die Chance bekommt, es zu veröf­fentlichen und vielle­icht auch branchen­frem­den Lesern mal einen Ein­blick zu geben – warum nicht?

Die Fol­gen des SARS-CoV-2-Virus betr­e­f­fen alle. Haben Sie ein Inhouse-Krisenk­abi­nett? Gibt es einen Aus­tausch unter Führungskräften?

Götz Peter Ander: Also den Aus­tausch gibt es natür­lich sowieso täglich. Derzeit geht es in unseren mor­gendlichen Run­den halt zu 95% darum, was wir in die Wege leit­en müssen, um noch bess­er aufgestellt zu sein.

Das The­ma Home­of­fice ist omnipräsent. Hat sich die Präsen­zkul­tur in den Betrieben bald über­holt?

Götz Peter Ander: Wie ich oben bere­its geschrieben habe, glaube ich, dass die aktuelle Sit­u­a­tion der Dig­i­tal­isierung einen Schub geben wird. Jed­er kann jet­zt live sehen, was geht und was nicht geht und muss sich auch mit dem notwendi­gen Ernst diesen The­men wid­men und es nicht als Zukun­ft­spro­jekt anse­hen.

Die Irrun­gen nahezu aller Beteiligten rund um die Entwick­lung und Aus­bre­itung des SARS-CoV-2-Virus haben so ziem­lich alle Entschei­dungsträger an ihre Gren­zen geführt. Wie kann es sein, dass hochen­twick­elte Indus­trien­atio­nen keinen Mas­ter­plan in der Schublade haben?

Götz Peter Ander: Wie viele Szenar­ien soll ein solch­er Mas­ter­plan denn abdeck­en? Ich glaube, dass wir mit unserem Risiko­man­age­ment und allen anderen Man­age­mentsys­te­men und Not­fallplä­nen schon sehr gut aufgestellt sind, um im Zweifel auch sehr schnell die Eng­pässe zu erken­nen, aber wenn ein Angreifer plöt­zlich aus dem Nichts auf­taucht und kein­er weiß wie und mit welchen Kon­se­quen­zen er zuschlägt, dann kann man dafür keinen Mas­ter­plan haben – glaube ich. Ich finde im Übri­gen, dass die Not­fallpläne unser­er Regierung bis­lang sehr gut funk­tion­ieren. Ich sehe nur lei­der das Ende der Krise noch nicht.

Die Welt verän­dert sich ras­ant schnell. Die einzige Kon­stante ist die Ungewis­sheit. Was macht das mit Ihnen als Führungskraft?

Götz Peter Ander: Manch­mal denke ich schon, dass mal eine Zeit lang ruhiges Fahrwass­er ganz nett wäre – ander­er­seits bin ich eher so gelagert, dass ich Her­aus­forderun­gen gerne annehme. Ich mache mir auch gerne Gedanken zu neuen Sit­u­a­tio­nen und habe bis­lang auch immer Lösun­gen gefun­den. Und das werde ich auch weit­er­hin beibehal­ten.

Welche Führungskom­pe­ten­zen sind Ihrer Mei­n­ung nach anhand der aktuellen Erfahrun­gen ger­ade jet­zt beson­ders wichtig?

Götz Peter Ander: Das ist eine wirk­lich gute Frage – wie bere­its gesagt, bin ich ein pos­i­tiv­er Men­sch, der sich nicht so schnell aus der Ruhe brin­gen lässt und auch jet­zt zuver­sichtlich in die Zukun­ft blickt. Ich bin davon überzeugt, dass sich das eben­so auf die Mitar­beit­er überträgt. Darüber hin­aus muss man das ein oder andere ein­fach auch mal aus­pro­bieren. Sei es Videokon­feren­zen oder neue Kol­lab­o­ra­tionstools. Außer­dem ist die generelle Kom­mu­nika­tion mit den Mitar­beit­ern jet­zt wichtig, aber auch gle­ichzeit­ig schwierig, da viele per­sön­liche Gespräche im Moment weg­fall­en.

Die gegen­wär­tige Sit­u­a­tion ist ohne Präze­den­z­fall: Da wird Hil­fe drin­gend benötigt. Wer unter­stützt Sie in dieser schwieri­gen Phase. Auf welche Ressourcen greifen Sie zurück und wer sind Ihre wertvoll­sten Unter­stützer und wichtig­sten Rat­ge­ber?

Götz Peter Ander: Grund­sät­zlich ist es für mich erst­mal eine Krise, wie wir sie z.B. aus 2009 bere­its ken­nen. Wir acht­en auf unsere Finanz­zahlen, machen Worst-Case- Szenar­ien, um nicht über­rascht zu wer­den und leit­en die angemesse­nen Maß­nah­men ein.

Das Pan­demiethe­ma ist neu. Hier informieren wir uns bei den Ver­bän­den und Insti­tu­tio­nen, wie der IHK, dem Arbeit­ge­berver­band oder unserem Fachver­band dem VDFI (Ver­band der deutschen Fed­ernin­dus­trie), die ganz her­vor­ra­gende Arbeit leis­ten die Unternehmen auf dem Laufend­en zu hal­ten. Darüber hin­aus nutze ich natür­lich auch mein per­sön­lich­es Net­zw­erk und tausche mich mit anderen Führungskräften zu diesem The­ma aus. Ich habe in let­zter Zeit sehr viele Videos im Inter­net ange­se­hen – auch hier gibt es eine Vielzahl an inter­es­san­ten Denkanstößen. Dazu kommt, dass wir natür­lich mit unseren japanis­chen Kol­le­gen in ständi­gem Kon­takt sind und uns auch dort aus­tauschen, was für Maß­nah­men ger­ade in Japan oder den USA umge­set­zt wer­den. Sie sehen, es gibt eine Vielzahl an Infor­ma­tion­squellen – die Her­aus­forderung ist allerd­ings, die guten Infor­ma­tio­nen zu erken­nen und umzuset­zen.

Das glob­ale Miteinan­der birgt auch Risiken, wie wir ger­ade sehen. Es gibt Experten, die favorisieren eine Rückbesin­nung zu mehr Region­al­ität. Wie ste­hen Sie dazu?

Götz Peter Ander: Ich hat­te in den let­zten Jahren schon den Ein­druck, dass die Glob­al­isierungse­uphorie ein Stück weit gebremst ist. Brex­it, Amer­i­ca First und andere Dinge haben sicher­lich dazu geführt. Ander­er­seits haben wir uns natür­lich auch mit den pos­i­tiv­en Din­gen der Glob­al­isierung ange­fre­un­det. Wer hätte schon gedacht, dass Deutsch­land nochmal in Europa Gren­zen schließen würde. Für uns als rein deutsches Unternehmen hätte ich nichts gegen mehr Region­al­ität. Für unsere Unternehmensgruppe sieht das natür­lich anders aus.

Als Führungskraft haben Sie nicht zulet­zt auch Vor­bild- und Autoritäts­funk­tion. An allen Fron­ten ist Ihr Wort gefragt. Wie gelingt es Ihnen in dieser schwieri­gen Zeit, Klarheit und Sou­veränität zu bewahren?

Götz Peter Ander: Ich ver­suche, Ruhe zu bewahren. In Panik zu ver­fall­en hil­ft ja nie­man­dem weit­er. Und wir ver­suchen, so viel wie möglich mit den Mitar­beit­ern zumin­d­est über Aushänge etc. zu kom­mu­nizieren, wenn es im Moment schon per­sön­lich nur sehr eingeschränkt geht. Außer­dem ist unser gesamter Führungskreis mit ein­er Aus­nahme noch an Bord – sprich nicht im Home-Office — ich bin mir sich­er, dass das auch ein klares Sig­nal an die Belegschaft ist, dass wir sie nicht im Stich lassen, was auch bei der Belegschaft ankommt!

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